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Die Archive der staatlichen Hoheitsverwaltung bis 1925

Mit der neuerlichen Teilung des habsburgischen Länderkomplexes 1564 mußten für Innerösterreich Zentralbehörden geschaffen werden, deren Material sich in einem sehr unterschiedlichen Ausmaß erhalten hat. So haben sich vom schriftlichen Niederschlag des iö. Geheimrat, der ab 1625 Geheime Stelle hieß, nur wenige Archivalien ins Landesarchiv gerettet, die in den sogenannten Meillerakten oder den Miszellen (siehe unten) zu finden sind. Praktisch gänzlich verloren sind die Akten des iö. Hofrates, von dem lediglich wenige Splitter im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien gelagert werden.

Zumindest ab 1615 relativ geschlossen hat sich dagegen das Material der iö. Regierung erhalten, die bis 1749 für die allgemeine und die Justizverwaltung der iö. Ländergruppe zuständig war. Zudem ist dieser Bestand durch umfangreiche Protokolle gut erschlossen. Von den Verwaltungsreformen 1750 bis zu seiner Auflösung 1782 oblag der iö. Regierung nur noch die Justizverwaltung. Dem Bestand beigeordnet sind 70 Resolutionsbücher (Kopialbücher der Regierung ab 1614, die vom Gubernium mit Unterbrechungen bis 1783 weitergeführt wurden). Das Archiv des Innerösterreichischen Hofkriegsrates befindet sich dagegen heute im Kriegsarchiv in Wien.

Umfangreich ist der Bestand der iö. Hofkammer (1564-1748), die für die gesamte Finanz- und Wirtschaftsverwaltung Innerösterreichs zuständig war. Diese Behörde ging hervor aus der (Grazer) Kammer und Hofkammer und der dieser 1564 als Mittelinstanz nachgeordneten niederösterreichischen Kammer, die 1620 in Innerösterreichische Kammer umbenannt und 1625 mit ersterer zur Innerösterreichischen Hofkammer vereinigt wurde. Die sogenannte chronologische Reihe der Hofkammer beginnt 1569 und ist mittels Protokollbücher und einem modernen Inventar gut erschlossen. Daneben existiert die ebenfalls unter anderem durch einen modernen Findbehelf leicht zugängliche sogenannte Hofkammer-Sachabteilung, die hauptsächlich aus der einstigen Sachgruppenreihe der niederösterreichischen Kammer besteht und nach 1625 weitergeführt wurde. Die einstige chronologische Reihe der nö. Kammer bildet heute einen Teil der Miszellen (siehe unten). Zu diesen Beständen existieren zudem Kopialbücher mit Abschriften von für die Verwaltung relevanten Urkunden, Verträgen etc. der Hofkammer in Wien von 1530-1564, weiters Hofkammer-Registraturbücher 1564-1624 sowie Kammer- und Exemptbücher der nö. Kammer 1565-1625.

Daneben gibt es als Sondergruppen die bereits genannten Miszellen und Meillerakten, die aus dem 1922 nach Graz zurückgekehrten Rest der 1846 nach Wien transferierten Archivalien bestehen und zum Teil weit ins Mittelalter zurückreichen.

Mit der Verwaltungsreform Maria Theresias 1748 wurden diese Zentralbehörden entweder aufgelöst oder in ihren Kompetenzen stark beschnitten und teilweise durch die Repräsentation und Kammer als Mittelbehörde für die Steiermark ersetzt. Diese Behörde wurde allerdings bereits 1763 vom (alten) Gubernium abgelöst, das zeitweise wieder für die gesamte innerösterreichische Ländergruppe zuständig war. Als untergeordnete Behörde fungierte in diesen Jahren die Stiftungs-(Hof-) Kommission, durch welche der Staat verstärkt die Wirtschaftsverwaltung der kirchlichen Institutionen und der weltlichen Sozialeinrichtungen kontrollieren wollte. Aus dem schriftlichen Niederschlag dieses Amtes entstanden die wertvollen Bestände der Geistlichen und Weltlichen Stiftungsakten.

1784 kam es zu einer Strukturreform des Guberniums (das nun unter der Bezeichnung Gubernium neu geführt wird), dessen Geschäftsgänge und Akten nun ausschließlich nach Sachgruppen (Fächer mit Untergruppen) mit übergeordneten Präsidialangelegenheiten gegliedert wurden. Diese Einteilung hat auch die nach den Verwaltungsreformen 1850 nachfolgende Statthalterei zunächst übernommen. Mit der neuen Geschäftsordnung 1906 allerdings wurde die Gliederung geändert und Departements (Rechtsabteilungen), die in Gruppen und Aktenplanabschnitten geteilt wurden, eingerichtet. Manche thematisch zusammenhängende Akten wurden später herausgezogen und bilden nun Sonderfaszikel.

Daneben existieren die Bestände verschiedener nachgereihter Behörden wie etwa die der Grundentlastungsbehörden, dann die der Agrarlandes- und Agrarbezirksbehörden, der Staatsbuchhaltung, des Religionsfonds, der Grazer (Provinzial-) Baudirektion sowie mehrerer Kreis- und Bezirksbauämter. Die Pläne dieser Behörden sowie andere Einzelstücke wurden zu einer wertvollen Plänesammlung zusammengefaßt.

Weiters erwähnenswert sind etwa die Lehenbücher und Lehenakten, deren Bestand vom 15. bis zur Lehensallodialisierung im 19. Jahrhundert reicht, oder auch Archivalien von Schulbehörden wie die Lavanter Schulakten, die nach dem Ende der kirchlichen Schulaufsicht 1869 von der Diözese Lavant-Marburg an den Staat übergingen, ältere Akten des Landesschul-, der Bezirks- und Ortsschulräte sowie die Archive des Akademischen Gymnasiums Graz und der Lehrerbildungsanstalt.

Daneben existieren umfassende Sammlungen von Patenten, Kurrenden und Normalien, eine durch Regesten und Karteien erschlossene Innerösterreichische Urkundensammlung, weiters eine Innerösterreichische Handschriftensammlung (darin unter anderem die Inventare der einstigen Grazer Schatz- und Rüstkammer, die Hofschatzgewölbebücher, Hofquartierbücher, Klosterinventare etc.) oder eine umfangreiche Landkartensammlung.

(nach Karl Spreitzhofer)

 
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